Tuesday, April 14, 2026

Das Corpus der hethitischen Festrituale: Kritische Editionen

Susanne rke, Ed.

Kritische Editionen

Catalog: Luwische Festrituale

introductio



Kurzbeschreibung

Zu den luwischen Festritualen, die in den Archiven der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša zu Tage traten, zählen auch die Texte mit Bezügen zu den Städten Ištanuwa und Lallupiya, die sich westlich von Ḫattuša im Bereich des Sakarya-Flusses befunden haben dürften (vgl. Weeden M. – Ullmann L.Z. 2017b: 258). Keine dieser Städte konnte bislang genauer lokalisiert werden. In einigen Texten werden „Leute aus Ištanuwa“ oder „Leute aus Lallupiya“ erwähnt, die den Wettergott von Ištanuwa zusammen mit einer Reihe anderer Götter verehren. Darüber hinaus werden in diesen Texten längere luwische Rezitationen genannt, die zu Musik des ḫuḫupal-Instruments und von Hörnern gesungen wurden, wozu manchmal auch getanzt wurde.

Eine umfassende Edition und Auswertung dieser sogenannten Ištanuwa-Texte existiert bislang nicht. Starke F. 1985a widmete den dritten Teil seiner Edition „Die keilschrift-luwischen Texte in Umschrift“ den Festritualen und unterteilte sie in ein „Festritual für Wettergott und Sonnengott“ (S. 270-294), in Texte des „Kults des Pantheons von Ištanuwa“ (S. 294-353), in ein „Festritual für den Wettergott des Himmels“ (S. 354-357) sowie „Fragmente von Festritualen“ (S. 358-367). Die Texte legte er in Transliteration vor.

Im Rahmen des Projekts „Hethitische Festrituale (HFR)“ wurde für die erste umfassende Gesamtedition der Texte eine Neusortierung auf Grundlage von Starke gewählt, mit dem Ziel, die Ritualabläufe zu rekonstruieren und die Anzahl der Feste zu bestimmen. Zum einen konnte dabei festgestellt werden, dass die Texte zahlreiche ähnliche Beschreibungen von Festszenarien enthalten, die die konkrete Zuordnung zu einem bestimmten Text oder Ritual schwierig machen. Zum anderen erwähnt kein Fragment die Leute aus Lallupiya, die Leute aus Ištanuwa und die ašušatalla-Leute zusammen, während mit den verschiedenen Gruppen durchaus ähnliche Ritualhandlungen in Verbindung gebracht werden können. Die Fragmente wurden daher in CTH 665 „Festrituale mit Nennung der ašušatalla-Leute“, CTH 771 „Festrituale mit Nennung der Leute aus Lallupiya“, CTH 772 „Festrituale mit Nennung der Leute aus Ištanuwa“ sowie CTH 773 „Fragmente von Wechselgesängen“ neu unterteilt.

In einer Reihe von Texten werden dabei Opferungen beschrieben, die in zwei Szenen unterteilt werden können. In dem einen Fall werden die Opferungen vor Kultstelen in Zelten dargebracht (siehe z.B. CTH 771.1, CTH 771.2, CTH 771.4), während in dem anderen Tische mit Broten, die den Göttern hingestellt werden, eine maßgebliche Rolle spielen (siehe z.B. CTH 665.2. CTH 665.4, CTH 772.1, CTH 772.6). Diese beiden Szenen können mit zwei unterschiedlichen Göttergruppen in Verbindung gebracht werden, die hier als Gruppe A (vor Kultstelen) und Gruppe B (mit Tischen) bezeichnet werden.

 
 

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