Waren Männer der Urgeschichte die einzigen Jäger und haben nur sie Werkzeuge hergestellt? Waren nur Männer Träger von Kunst und Innovationen? Waren Frauen ausschließlich Sammlerinnen, an das Haus gebunden und haben sich um Kinder und Familie gekümmert? Waren alle prähistorischen Darstellungen von Frauen Muttergöttinnen? Haben Männer und Frauen die gleichen Karrierechancen in der Archäologie? Die Kurzantwort auf all diese Fragen ist die gleiche: Nein. Dies sind jedoch Beispiele für Geschlechterstereotype, denen wir in der Archäologie immer noch täglich begegnen. Sie beeinfl ussen, wie Archäolog*innen die Vergangenheit interpretieren und in der Öffentlichkeit präsentieren und auch, wie sie ihren Beruf ausüben.
Dieses Heft versteht sich als kurze, informative und kritische Antwort von Archäolog*innen auf verschiedene Geschlechterstereotype, die in der archäologischen Rekonstruktion der Vergangenheit sowie in der gegenwärtigen berufl ichen Praxis existieren. Geschlechtersensible und feministische Archäolog*innen kämpfen seit Jahrzehnten gegen Geschlechterstereotype, u.a. durch wissenschaftliche Publikationen, Museumsausstellungen und populäre Literatur. Trotz ihrer Bemühungen leben viele Stereotype weiter und gedeihen gut, sowohl in akademischen als auch in nicht-akademischen Kreisen und insbesondere in Ländern, in denen es keine archäologische Geschlechterforschung gibt oder kaum diskutiert wird. Vor diesem Hintergrund und angesichts des Aufstiegs rechtsextremer oder ultrakonservativer Ideologien und Überzeugungen weltweit, versteht sich dieses Heft als zeitgemäßer und zum Nachdenken anregender Beitrag, der offen oft unangenehme Themen im Zusammenhang mit Geschlecht in der Archäologie anspricht, um das Bewusstsein sowohl unter Fachleuten als auch bei anderen, die an der Disziplin interessiert sind, zu schärfen.
Das Heft enthält 24 häufi g anzutreffende Geschlechterstereotype in der Archäologie, die in kurzen Texten von Archäolog*innen mit Fachkenntnissen über Geschlecht in der Vergangenheit und in der zeitgenössischen Archäologie erklärt und dekonstruiert werden. Die meisten dieser Archäolog*innen sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Archaeology and Gender in Europe (AGE) der European Association of Archaeologists (EAA). Die Stereotype wurden wunderschön illustriert von dem preisgekrönten serbischen Künstler Nikola Radosavljevic. Die deutsche Übersetzung verdankt sich der großzügigen Förderung durch die Katholische Erwachsenenbildung Bayern e.V.
2026
Paperback ISBN: 9789464264159 | Imprint: Sidestone Press | Format: 200x270mm | 64 pp. | Series: HotAcademia | Language: English | 35 illus. (bw) | Keywords: gender; stereotypes; archaeology; inclusiveness; diversity | download cover | DOI: 10.59641/d30642gp
Herausforderung des Status quo: Dekonstruktion von Geschlechterstereotypen in der Archäologie
Bisserka Gaydarska, Laura Coltofean-Arizancu und Uroš MatićStereotyp 1 | Der Mann als Jäger und Archäologe im Feld und die Frau als Sammlerin und Labormaus
Bettina ArnoldStereotyp 2 | Nur Frauen haben in Gesellschaften der Vergangenheit gekocht
Marga Sánchez RomeroStereotyp 3 | Aktive Männer, passive Frauen
Bettina ArnoldStereotyp 4 | Nur Frauen haben sich um die Alten und Kranken gekümmert
Marga Sánchez RomeroStereotyp 5 | Nur Frauen haben sich um Kinder gekümmert
Katharina Rebay-SalisburyStereotyp 6 | Alle Frauen waren jung, schlank und schön, alle Männer waren jung, groß und athletisch
Brigitte RöderStereotyp 7 | Nur Männer waren gewalttätig
Uroš MatićStereotyp 8 | In der Vergangenheit konnten nur hochrangige Männer lesen und schreiben
Agnès Garcia-VenturaStereotyp 9 | Prähistorische Gesellschaften waren entweder matriarchal oder patriarchal
Julia K. KochStereotyp 10 | Prähistorische weibliche Darstellungen zeigen Muttergöttinnen
Bisserka GaydarskaStereotyp 11 | Familien bestanden immer aus Vater, Mutter und Kindern
Julia K. KochStereotyp 12 | Wurden zwei Frauen zusammen bestattet, so waren dies die Herrin und ihre Dienerin
Julia K. KochStereotyp 13 | Biologisches und soziales Geschlecht sind dasselbe
Katharina Rebay-SalisburyStereotyp 14 | Geschlecht ist binär
Sandra Montón-SubíasStereotyp 15 | Es gibt nur zwei Geschlechter
Pamela L. GellerStereotyp 16 | „Gender“ ist universell
Alice B. KehoeStereotyp 17 | Gender ist eine Ideologie – auch in der Gender-Archäologie
Uroš MatićStereotyp 18 | Gender-Archäologie wird nur von Frauen und Schwulen betrieben
Rachel PopeStereotyp 19 | In der archäologischen Geschlechterforschung geht es nur um Frauen Doris Gutsmiedl-Schumann
Doris Gutsmiedl-SchümannStereotyp 20 | Gender-Archäologie braucht es inzwischen nicht mehr
Nils Müller-ScheeßelStereotyp 21 | Gleichgeschlechtliche Praktiken sind eine Erfindun der Moderne oder eine Störung
Uroš MatićStereotyp 22 | Queere Archäologie sind letztlich nur LGBTQIA+-Forschende, die sich LGBTQIA+-Personen in der Vergangenheit vorstellen
Bo JensenStereotyp 23 | Frauen haben in der Archäologie die gleichen Karrierechancen wie Männer
Maria MinaStereotyp 24 | In der Archäologie gibt es keine Belästigung, Übergriffe, Mobbing und Einschüchterung
Laura Coltofean-Arizancu and Bisserka GaydarskaWeiterführende Literatur
Autor*innenliste
German language of the English language version published in 2021

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