Wednesday, May 12, 2021

Alalach-Archiv, Manfred Dietrich & Oswald Loretz

Répertoire onomastique

Fotos der Alalach-Tafeln

Im Sommersemester 1963 haben wir an dem Seminar über die alphabetisch-ugaritischen Texte der neuesten Publikation von Ch. Virolleaud, „Textes en cunéiformes alphabétiques des archives est, ouest et centrales“ (Mission de Ras Shamra VII, Paris 1957) aus den Ausgrabungs-Kampagnen 15-17 (1951-1953) im Palastareal teilgenommen, das Prof. Wolfram von Soden seinen fortgeschrittenen Studierenden als Ergänzung ihres Studiums der Altorientalistik angeboten hatte. Entsprechend den Interessen des Seminarleiters kamen dabei wiederholt die linguistischen und kulturellen Parallelen zur Sprache, die zwischen den Texten der Palastarchive Ugarits aus dem 13. Jh. und denen aus den Palastarchiven von Alalach/Tell Açana des 14. Jh. (= Alalach IV) bestanden, die D.J. Wiseman 1953 in „The Alalakh Tablets“ (Occasional Publications of the British Institute of Archaeology at Ankara 2, London) zugänglich gemacht hatte. Das hat uns angeregt, einzelne Beispiele zu überprüfen und die Bewandtnis ihrer Parallelität zu erforschen. Dabei fiel uns alsbald auf, daß der Wortlaut der Texte, wie ihn Ch. Virolleaud und D.J. Wiseman in Autographie, Umschrift und teilweise sorgfältiger Diskussion vorgelegt hatten, häufig nicht zuverlässig genug war, eine Antwort auf die linguistischen und kulturgeschichtlichen Fragen zu geben, die wir an sie hatten. Die Überprüfung einzelner Texte aufgrund von Photographien und/oder Autopsie im British Museum, London, und im Louvre, Paris, ergab, daß dies auf eine mitunter fehlerhafte Wiedergabe ihres Wortlauts zurückzuführen war. Das führte uns zum Entschluß, eine Kollation aller Tontafeloriginale in den Museen durchzuführen, bevor wir uns weiterführenden Arbeiten der Textinterpretation widmeten. Wie es sich bald zeigen sollte, war dieser Entschluß richtig. Da wir uns 1963 schon darauf verständigt hatten, unsere gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf den Wortschatz der alphabetischen Texte aus Ugarit und dessen Beitrag für die Ergründung desjenigen der westsemitischen Epigraphik und des Hebräischen im Alten Testament zu konzentrieren, haben wir die Arbeit an den Texten aus Alalach als einen unerwarteten, allerdings auch unerläßlichen ersten Schritt für unsere Ugarit-Arbeiten eingestuft...
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